Grundig Cosmopolit 3F WEB Testbericht

Dieses Radio könnte man als Nachfolger des Cosmopolit 7 bezeichnen, wenn nicht Grundig diesen auch noch weiter im Programm behalten hätte. Nun gibt es also den Cosmopolit 7, 3F und 3F iP, letzter mit zusätzlichem iPhone/iPod-Dock.

Die Unterschiede zum Cosmopolit 7 sind zunächst äußerlich: Das Gehäuse ist nicht mehr so massiv, sieht aber auch weniger edel aus. Es gibt viel weniger Tasten, dafür nun ein Drehrad. Die Navigation damit ist wesentlich besser als mit den nebeneinander platzierten Pfeiltasten des Cosmopolit 7. Allerdings fielen dem Entfernen von Buttons auch die Stationstasten zum Opfer: Direkte Anwahl eines Favoriten per Tastendruck am Gerät ist nun nicht mehr möglich.

Des Weiteren hat der Cosmopolit 3F nun ein Display, dass zwar immer noch monochrom ist, aber dafür viel blickwinkelunabhängiger als das des Vorgängers. Auch wenn sich das WLAN-Radio auf dem Tisch befindet und man direkt davor steht, also sehr schräg von oben auf das Display sieht, lässt sich dieses noch gut ablesen.

Leider bietet das Cosmopolit 3F kein DAB mehr. Grundig hatte die Technik wohl schon abgeschrieben. Auf der IFA 2011 konnte man sich jedoch überzeugen, dass dank DAB+ auch Grundig wieder auf den Zug aufspringt: Hier wurden das Cosmopilit 3F+ und 3F+ IP vorgestellt, die DAB-Tuner enthalten. Zum Jahreswechsel sollen diese Internetradios auch in Deutschland verfügbar sein, kurz vor Weihnachten war davon allerdings noch nichts zu sehen. Auch grundig.de erwähnt sie nicht. Lediglich auf skandinavischen Grundig-Webseiten sind sie zu finden.

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Auspacken und Anschließen

Unser Cosmopilit 3F kam in einer “Christmas Edition”-Verpackung. Was daran speziell sein soll, konnten wir jedoch nicht herausfinden, denn darin befand sich der ganz normale Karton und am Gerät gab es auch nichts Weihnachtliches.

Nach dem Aufbauen und Anschließen wird man zunächst von einem englischsprachigen Wizard begrüßt, der einen nach Zeitzone, Sommer/Winterzeit und ähnlichem fragt. Erst dann kann man sich mit einem WLAN verbinden. Was diese Abfrage soll, bleibt schleierhaft, schließlich könnte das Internetradio diese Dinge automatisch einstellen, sobald eine Netzwerkverbindung vorliegt. Die Sprache muss man ebenfalls manuell umstellen.

WLAN-Netzwerke werden viele gefunden, auch von weiter entfernten Routern. Die externe Antenne an der Rückseite des Geräts hilft hier sicherlich. Das Passwort über das Drehrad einzugeben ist allerdings schon umständlich. Hierbei und bei der gesamten Navigation am Gerät per Drehrad bemerkt man schnell eine Macke des Bedienkonzepts: Auswahl und Bestätigen geht gut per Drehrad bzw. Drücken auf das Rad. Eine Abbruch/Zurück-Taste gibt es an der Front jedoch nicht. Man muss umgreifen und am oberen Rand auf die Menü-Taste drücken.

Die beiliegende gedruckte Bedienungsanleitung umfasst zwar viele Sprachen, geht aber auf viele Funktionen, wie z.B. den MP3-Player, gar nicht ein. Dafür gibt es auf mitgelieferter CD und im Web eine recht umfangreiche Bedienungsanleitung.

Konfiguration und Betrieb

Sehr schnell wird klar, dass sich das WLAN-Radio über die Fernbedienung viel besser bedienen lässt als am Gerät selbst. Es gibt dort wesentlich mehr Tasten und über das Steuerkreuz kann man, im Gegensatz zum Drehrad, auch zurück.

Beim ersten Anspielen einer Radiostation macht sich allerdings direkt ein Problem bemerktbar: Aus dem Lautsprecher kommt ein Grundrauschen, das in etwa bei Lautstärkenstufe 8 von der Musik übertönt wird. Im Gegensatz zum Cosmopolit 7 ist das noch im akzeptablen Bereich, beim normalen Radiohören ist das Rauschen zu leise, um aufzufallen. Wer allerdings empfindliche Ohren hat und mit dem WLAN-Radio z.B. Hörspiele zum Einschlafen hören möchte, könnte sich durchaus durch das Rauschen gestört fühlen. Im ausgeschalteten Zustand gaben weder Gerät noch Netzteil Geräusche von sich. Dass dies auch beim selben Modell anders sein kann, zeigen einige Nutzerberichte im Internet.

Außer Equalizer, Sprache und Netzwerk lässt sich über das Menü nicht viel einstellen. Die Stärke der Hintergrundbeleuchtung kann man nur über die Fernbedienung in drei Stufen verändern. Dies wirkt sich jedoch nur im eingeschalteten Zustand aus. Im Standby ist die Hintergrundbeleuchtung immer stärker gedimmt, einstellen lässt sich hier nichts. Wer es im Schlafzimmer richtig dunkel haben will, wird damit nicht zufrieden sein.

Beim Test des Abspielens von Windows-Ordnerfreigaben (Samba-Shares) im lokalen Netzwerk kam dann der Schock: Das WLAN-Radio kann das gar nicht! Auf der Grundig-Webseite steht zwar unter Spezifikationen, dass dieses Gerät “Audio Streaming (UPnP Client und Ordner-Freigabe)” kann, in Wirklichkeit geht jedoch nur UPNP, auf freigegebene Ordner kann, im Gegensatz zum Cosmopolit 7, nicht zugegriffen werden. Offenbar nimmt Grundig es mit den Angaben auf der Webseite nicht so genau, So steht z.B. auf der englischen Seite beim Cosmopolit 7, er habe einen iPhone-Dock, während auf der deutschen Seite dort ein Nein steht.

Anschließend testeten wir die UPNP-Funktion. Damit konnte auf UPNP-Server im lokalen Netzwerk zugegriffen werden, sowohl mit Windows 7 als auch mit einer Fritzbox funktionierte dies. Dabei kann über Titel, Interpret, Album oder auch Ordner navigiert werden. Leider beherrschte die Fritzbox innerhalb der Ordner keine Sortierung der Songs nach Reihenfolge, sondern sie werden immer alphabetisch abgespielt. Doch dafür kann das WLAN-Radio nichts. Geht man über Interpret/Album so ist die Abspielreihenfolge normal. Leider taucht bei der Navigation durch längere Alben- oder Interpretenlisten immer wieder der “bitte warten”-Bildschirm im Internetradio auf, bei dem es bei schnellem Navigieren auch schon mal ganz hängen bleibt. Eine große MP3-Sammlung auf diese Art und Weise anzusprechen macht keinen Spaß: Ein schnelles Navigieren in den langen Listen ist nicht möglich, und eine hierarchische Navigation über Ordner nur, wenn der Medienserver dann auch für die richtige Sortierung sorgt.

Ob das Ansprechen einer MP3-Sammlung über einen USB-Stick besser geht, wurde als nächstes getestet. Neben der LAN-Buchse hat das WLAN-Radio nämlich zu diesem Zweck eine USB-Buchse auf der Rückseite. NTFS-formatierte Medien kann der Player allerdings nicht lesen, nur FAT32 ging. Seltsamerweise sagt die Anleitung, man solle das Radio vor Anstecken eines USB-Sticks ausschalten. Dazu passt allerdings nicht, dass es, wenn man einen USB-Stick in eingeschaltetem Zustand ansteckt, dies direkt bemerkt und fragt, ob man diesen nun abspielen möchte. Mit leichten Verzögerungen kann man dann den USB-Stick durchstöbern. Leider erscheinen die darauf gespeicherten Ordner und MP3s nicht in alphabetischer Reihenfolge, sondern in der Reihenfolge, in der sie auf den Stick kopiert wurden. Dies kann für ein ganz schönes Durcheinander sorgen. (Tipp: Wer selten Neues auf sein USB-Gerät kopiert kann mit dem Programm DriveSort die darauf befindlichen Dateien sortieren).

Solche Kinderkrankheiten findet man von Zeit zu Zeit. So hat das Radio zwar eine Liste der zuletzt gehörten Sender, doch wenn man daraus einen am Gerät anwählt, kann man anschließend die Lautstärke nicht mehr ändern: Ein Drehen am Rad bewirkt eine Rückkehr in die Liste, zum lauter oder leiser stellen muss man zur Fernbedienung greifen.

Internetradio und Favoritenverwaltung

Per Fernbedienung oder am WLAN-Radio selbst kann man die Internetstationen nach Ländern oder Stilrichtungen durchsuchen, was allerdings wegen der etwas umständlichen Navigation nicht so viel Spaß macht. Die so entdeckten Sender lassen sich in die lokale Favoritenliste speichern, welche allerdings nur 10 Plätze hat, die dann von der Fernbedienung aus durch Drücken der Nummerntasten (oder am Geräts durch das Menü) aufgerufen werden können. Hierbei gibt es je 10 Plätze für Internetradios und UKW-Radios. Einen UKW-Empfang hat das Radio nämlich auch, die Empfangsqualität ist sogar ganz ordentlich und die Antenne lässt sich elegant im Gehäuse versenken.

Zusätzlich gibt es eine Liste der 10 zuletzt gespielten Internetradio-Stationen. Bei vielen Sendern werden Titel und Interpret des aktuell gespielten Songs angezeigt.

Wem die 10 speicherbaren Internetradio-Favoriten nicht ausreichen, der kann (und muss) auf das Webinterface ausweichen. Hier stellt Grundig unter grundig.radiosetup.com eine von vTuner bereitgestellte Senderliste zusammen. Am Computer kann man sehr viel komfortabler die Senderlisten durchstöbern und nach bestimmten Sendern suchen. Hier können dann weitere Favoritenlisten angelegt werden, die jeweils sehr viele (eine Grenze ist uns nicht bekannt) Sender aufnehmen können. Leider werden diese im Radio separat von der lokalen Favoritenliste gehandhabt. Das heißt, man muss sie über das Hauptmenü aufrufen und sich jedes Mal zur richtigen Favoritenliste durchhangeln.

Sound

Die Tonqualität ist mittelmäßig. Für ein Küchenradio ist sie zwar in Ordnung, bleibt jedoch hinter einigen Modellen der Konkurrenz, z.B. der Squeezebox Radio von Logitech, die wesentlich klarer klingt, zurück. Im Gegensatz zur Squeezebox, hat das Cosmopolit 3F zwar einen Equalizer über den man Voreinstellungen wie Flat, Rock oder Jazz wählen, sowie ein eigenes Profil anlegen kann, doch auch dies kann die Qualität des verbauten Lautsprechers nicht in eine neue Dimension hiefen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Internetradio zwar nicht blechern oder dumpf klingt, aber eben auch nicht besonders gut, sondern eben mittelmäßig. Für Büro oder Küche kann man es beruhigt kaufen, eine Party beschallen sollte man damit jedoch auf keinen Fall.

Stromverbrauch

Im Standby schaltet das Radio das WLAN ab und verbraucht dann 1,6 Watt. Ob und wie stark das Display leuchtet, lässt sich nicht einstellen. Dafür ist der Stromverbrauch verhältnismäßig hoch, denn das Radio tut nichts anderes, als ein abgedunkeltes Display zu beleuchten und auf Signale von der Fernbedienung zu warten.

Im Betrieb liegt der Verbrauch je nach Lautstarke um die 5 Watt.

Fazit

Wer sich auf die eierlegende Wollmichsau, die außer DAB fast alles kann, gefreut hat, wird enttäuscht sein: Zugriff auf Ordner-Freigaben geht nicht, MP3s auf USB-Sticks sind durcheinander, die Senderauswahlplattform enttäuscht gegenüber TuneIn und bei der Usability gibt es noch Verbesserungspotenzial. Die Software-Version des getesteten Geräts war die 2.00, Updates wurden keine angeboten, sie war also zum Testzeitpunkt die aktuellste. Vielleicht bringen zukünftige Updates noch Besserungen.

Wer das Gerät aber nicht wegen dieser Zusatzfunktionen kauft, sondern ein “normales” Internetradio haben will, wird damit zufrieden sein und sich über die Möglichkeiten freuen, überhaupt Netzwerkmusik abspielen zu können oder gelegentlich einen USB-Stick anzuschließen. Nicht zu verachten ist außerdem, dass das Radio sehr stabil läuft, guten WLAN-Empfang hat und wir keinen einzigen Aussetzer bemerken konnten. In der aktuellen Welt der Internetradios ist das leider keine Selbstverständlichkeit. Insofern findet man hier ein ordentliches WLAN-Radio, dessen Sound in Ordnung ist und das im Radiobetrieb keine Zicken macht.

Wer wissen will ob das Grundig Cosmopolit 3F WEB zu einem passt, dem empfehlen, wir die Beratung für WLAN-Radios durchzuführen.

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