Logitech Squeezebox Internetradio Testbericht

Auch wenn das Squeezebox Radio, das es übrigens in den Farben schwarz, weiß und rot gibt, wie ein herkömmliches Internetradio aussieht, so unterscheidet es sich doch von anderen Geräten dieser Kategorie durch ein paar grundlegende Dinge. Es ist Teil des Squeezebox-Systems von Logitech, ein Netzwerkmusiksystem, das z.B. auch Multiroom-Beschallung ermöglicht. Damit können mehrere Squeezeboxen die selbe Musik synchron wiedergeben, so dass man z.B. sein ganzes Haus gleichmäßig beschallen kann. Squeezeboxen benötigen zum Betrieb immer einen Server. Dazu kann man entweder die entsprechende Software von Logitech (kostenlos) bei sich installieren, oder man nutzt einfach den Server, den Logitech unter mysqueezebox.com bereitstellt. Einfaches Abspielen von MP3s über's Netzwerk per Ordnerfreigabe oder UPNP beherrschen Squeezeboxen nicht, es muss die Logitech-Software auf dem Computer laufen.

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Auspacken und Anschließen

Zunächst fällt auf, dass das Radio für seine geringe Größe recht schwer ist. Dadurch und durch die Tatsache, dass die Vorderseite leicht schräg ist, kann man auf die Tasten drücken, ohne dass das Radio mit der anderen Hand festgehalten werden muss, damit es nicht über den Tisch rutscht.

Insgesamt macht alles einen sehr wertigen Eindruck und hebt sich damit deutlich von vielen am Markt befindlichen Billig-Internetradios ab. Insbesondere das Display kann überzeugen: Farbig, hoch aufgelöst und mit geringer Blickwinkelabhängigkeit. Das Radio nutzt dies auch und zeigt Logos und anderes in Farbe auf dem Display an.

An Anschlussmöglichkeiten gibt es einen LAN-Anschluss, Line-In und einen Kopfhörerausgang. Einen USB-Anschluss sucht man vergeblich.

Nach dem Anschließen wird man durch das WLAN-Setup geführt. Hier ist alles sehr intuitiv geregelt und man findet sich leicht zurecht. Schnell ist das Radio online und spielt ggf. Updates seiner Software ein.

Bedienung

Hier läuft alles, wie man es bei einem guten Internetradio erwartet. Über das große Rad lassen sich die Menüs flüssig bedienen. Daneben gibt es separate Knöpfe für vor/zurück, Alarm, Menü, “More”, und einen weiteren kleineren Drehknopf für die Lautstärke.

Auf 6 Tasten neben dem Display kann man Sender speichern. Diese lassen sich dann durch einfachen Druck aufrufen. Sogar aus dem Standby kann das WLAN-Radio durch Drücken einer dieser Tasten geweckt werden, um dann sofort den richtigen Sender anzuspielen.

Fernbedienung ist keine dabei, lässt sich jedoch separat mit einem Akku erwerben. Der Nutzen des Batteriebetriebs ist allerdings durchaus fraglich, denn da das Radio keinen UKW- oder DAB-Empfänger hat, ist man auf Internet per LAN/WLAN angewiesen und in der Regel steht dann auch Strom zur Verfügung.

Da das Radio zum Squeezebox-System gehört, ist eine Steuerung auch über den (separat erhältlichen) Squeezebox-Controller oder eine Smartphone-App möglich. Letztere haben wir unter Android getestet. Im Vergleich zu einer normalen Fernbedienung dauert es natürlich etwas länger, bis sie bereit ist. Dafür macht es richtig Spaß, damit die Squeezebox zu bedienen. Es ist bequem, intuitiv und komfortabel. Leicht kann man nach Internetsendern suchen, vor allem, da sich Buchstaben mit dem Smartphone viel leichter eingeben lassen als an der Squeezebox mit dem Rad. Auf diese Art und Weise kann man schön durch die Sender stöbern, sich Favoritenlisten anlegen und das Radio konfigurieren.

Apps und mysqueezebox.com

Die Möglichkeiten der Squeezebox sind kaum begrenzt, da man sich über mysqueezebox.com Apps installieren kann. Zur Zeit gibt es deren 27, darunter so wichtige wie TuneIn Radio, der umfangreichste Katalog von Internetradio-Stationen der mir bekannt ist. Darüber lässt sich komfortabel so ziemlich jede Radiostation finden. Darüber hinaus gibt es auch das von Winamp bekannte Shoutcast, das ebenfalls tausende Sender beinhaltet. Weitere Apps werden z.B. von der BBC oder der kanadischen CBC angeboten, wo man deren Sender hören oder Podcasts abrufen kann. Dazu gibt es noch andere Dienste wie radio.de, Napster, mp3tunes.com, last.fm und weitere, deren Apps sich installieren lassen.

In der Weboberfläche von mysqueezebox.com lassen sich nicht nur Apps installieren, sondern man kann dort auch seine Favoriten verwalten. Dabei handelt es sich um die selbe Favoritenliste, die auch im Gerät genutzt wird. Verschiedene Listen für Webzugang und das Radio selbst gibt es bei Logitech zum Glück nicht. Und es kommt noch besser: Es gibt auch eine Web-Fernbedienung für das Internetradio, mit der man fast genau wie mit der Smartphone-App das Radio bedienen kann, inklusive aller Apps. Im Wesentlichen wird dabei das Radio-Display einfach im Browser dargestellt.

Ärgerlich ist natürlich, dass man nicht so einfach auf seine MP3-Sammlung zugreifen kann. Klar, wenn die Squeezebox-Software auf dem PC läuft geht das, aber dazu muss der PC natürlich die ganze Zeit eingeschaltet sein. Einen USB-Stick mit der Sammlung kann man nicht an die Squeezebox anschließen und auf die z.B. an eine Fritzbox angeschlossene USB-Festplatte lässt sich auch nicht per UPNP-Streaming zugreifen. Einzig ein modernes NAS, das den Logitech-Server unterstützt, würde gehen. Alternativ bietet sich z.B. an, die App von mp3tunes zu nutzen und seine Musik dort in seinen persönlichen Ordner hochzuladen. 2 GB sind kostenlos (auf Einladung 10), für mehr muss man zahlen.

Stromverbrauch

Im Betriebszustand verbraucht das Internetradio um die 5 Watt, bei Zimmerlautstärke etwas darunter. Neben der Lautstärke hängt der Verbrauch auch von der Displayhelligkeit ab. Und da bietet dieses WLAN-Radio etwas besonderes: In der Squeezebox ist ein Helligkeitssensor verbaut. Damit lässt sich neben der manuellen Einstellung der Helligkeit auch eine automatische Einstellung wählen. Diese scheint jedoch nur zwei Modi zu kennen: Umgebung ist hell oder Umgebung ist dunkel (nacht). Für letzteres lässt sich dann noch eine Minimum-Displayhelligkeit einstellen. Das Ergebnis ist ordentlich: Nachts kann man somit das Display nach Belieben dimmen, bis zu völliger Dunkelheit, und wird nicht, wie bei manchen Konkurrenten, durch ein zu helles WLAN-Radio auf dem Nachttisch genervt.

Was allerdings fehlt ist, dass man eine separate Displayhelligkeit für den Standby-Modus konfigurieren kann. Zwar kann man dafür einen Bildschirmschoner auswählen, der z.B. die Uhr anzeigt oder auch Fotos, aber die Helligkeit ist identisch zum Betrieb, und dementsprechend der Stromverbrauch nicht so niedrig, wie er sein könnte. Dazu kommt, dass auch im Standby das WLAN an bleibt. Ähnlich wie die Geräte von Sonos, kann die Squeezebox somit auch immer über WLAN Befehle annehmen, und sei es nur, dass das Radio über die Smartphone-Fernbedienung eingeschaltet wird. Wer das Gerät als Radiowecker nutzen möchte, muss sich allerdings mit der Idee anfreunden, einen ständig aktiven WLAN-Sender neben sich auf dem Nachttisch stehen zu haben. Denn ganz ausschalten lässt sich das Radio zwar durch längeres Drücken auf die Power-Taste (Verbrauch dann 0 Watt), aber das lässt sich nicht mit dem Wecker kombinieren. Ist ein Wecker für den nächsten Morgen gestellt, schaltet sich die Squeezebox sofort selber wieder ein.

Bei abgeschaltetem Display ist der Stromverbrauch des Internetradios im Standby ca. 1,8 Watt. Wenn das Display nicht ganz ausgeschaltet ist, schwankt er zwischen 2,2 Watt (stark gedimmt) und 2,8 Watt. Dafür, dass das WLAN dabei an ist, sind diese Werte gar nicht so schlecht, Sonos könnte sich davon eine Scheibe abschneiden, denn deren Player verbrauchen trotz fehlendem Display 5 Watt. Wünschenswert wäre bei der Squeezebox allerdings eine Option, das WLAN im Standby ganz abzuschalten. Dann könnten sicherlich Werte von unter einem Watt erreicht werden.

Leider gibt es von Haus aus keine Möglichkeit, im Standby das Wetter, Aktienkurse oder ähnliches anzuzeigen. Betreibt man einen eigenen Squeezebox-Server kann man sich mit Plugins von Drittanbietern helfen, deren Einrichtung aber den Otto-Normal-User stark herausfordern dürfte.

Sound

Der Klang ist klar und rein, Hintergrundrauschen gibt es nicht. Bei normaler Lautstärke kann man ihn für die Größe des WLAN-Radios durchaus als ziemlich gut bezeichnen. Etwas Bass-arm ist er jedoch, die Mitten könnten ebenfalls etwas ausgeprägter sein, und die Möglichkeiten, zur Feinjustierung per Equalizer fehlen, da es einen solchen nicht gibt. Dies sind jedoch Beschwerden auf einem höheren Niveau, als bei einem Küchen- oder Nachttischradio angemessen. Hier dürfte eher wichtig sein, dass die Lautstärke sehr feinstufig einstellbar ist.

Fazit

Wenn es um reinen Internetradio-Empang geht, ist die Squeezebox in ihrem Preisbereich ganz klar ein Kauftipp. Sie ist wertig, ausgereift, gut zu bedienen und der Klang ist ebenfalls gut.

Bei den Zusatzfeatures muss man sich überlegen, was genau gewünscht ist und worauf man verzichten kann. Hier muss auf Radioempfang über Antenne, USB-Anschluss, sowie Streaming von Standard-Freigaben verzichtet werden. Dafür gibt es mit den Apps, den Möglichkeiten eines eigenen Servers, der Smartphone-Steuerung und der Multiroom-Funktion andere Schmankerl. Ob die Squeezebox dann das richtige Gerät ist hängt von den individuellen Bedürfnissen ab.

Ob die Squeezebox das richtige Gerät für Sie ist, können Sie hier erfahren:

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