Tchibo Internetradio Testbericht

Ab dieser Woche, genau gesagt dem 6.12.2011, gibt es exklusiv bei Tchibo das Bild-WLAN-Internetradio. Da uns vorab die Auskunft verweigert wurde, wer der Hersteller des Gerätes ist, haben wir es uns kurzerhand besorgt, um es auf Herz und Nieren zu testen.

Schon im Laden die erste Überraschung: Auf dem Gerät steht hinten drauf, dass es ein WLAN-Radio von DNT ist, Modell "Internetradio IP2011". Sofort geht uns der Gedanke durch den Kopf, dass es sich um ein baugleiches Gerät zum DNT IP Diamond handeln könnte, welches zu ähnlichen Preisen im Internet angeboten wird. Dazu jedoch später mehr.

Beim Auspacken kommt uns erstmal ein übler Plastikgestank entgegen, der sich erst nach einer ganzen Weile verzieht. Neben dem Radio ist auch eine Fernbedienung samt Batterien enthalten. Für ein Internetradio macht die Fernbedienung einen soliden Eindruck. Das Gerät hat recht wenige Anschlüsse: Netzteil, Line-In und Audio-Out (Kopfhörerbuchse). LAN oder USB gibt es nicht.

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Erstes Einschalten

Nach dem Einschalten startet automatisch die WLAN-Konfiguration. Und hier merken wir sofort den ersten Haken des Geräts: Die Empfangsqualität ist nicht besonders. Es werden relativ wenige Netzwerke gefunden, das Netz unserer Fritzbox erscheint dagegen sogar doppelt, angeblich einmal verschlüsselt und einmal unverschlüsselt. Ein unverschlüsseltes Netz gibt es allerdings gar nicht, vermutlich wurde unser Repeater hier fehlinterpretiert.
Die Passworteingabe per Drehrad ist ein Krampf. Als das Passwort endlich drin ist, sagt das Radio, die Verbindung sei fehlgeschlagen. Nochmal versucht, gleiches Problem. Beim dritten Versuch werden plötzlich überhaupt keine Drahtlosnetzwerke mehr angezeigt. Neue Verbindungsversuche sind erst möglich, nachdem wir das Radio vom Strom trennen und wieder einstecken. Die lästige Passworteingabe startet erneut. Und wieder keine Verbindung. Erst als wir das Radio direkt neben den Router stellen gelingt uns beim zweiten Versuch die Verbindung. Jedoch passiert es auch im Betrieb beim Ändern der Konfiguration gelegentlich, dass die Verbindung abreißt, oder sogar ein Trennen vom Strom erforderlich ist, damit sich das Radio wieder verbindet (dann zum Glück ohne neue Passworteingabe). Die WLAN-Probleme sind umso ärgerlicher, als dass es keinen LAN-Anschluss gibt.

Was auch sofort auffällt ist das nicht mehr zeitgemäße Display. Es ist monochrom und stark blickwinkelabhängig. Nun ist es bei Internetradios ja nicht so, dass man direkt Frontal auf sie schaut, sondern häufig steht man davor und schaut von eben, was das Display schlecht ablesbar macht. Die neuen Grundig-Radios wie das Cosmopolit 3F (nicht 7!) sind da besser, genauso wie die Logitech Squeezebox.

Auch fällt auf, dass man die Menüsprache nicht ändern kann, das Gerät und die Firmware scheinen also explizit für den deutschsprachigen Markt zu sein.

Bedienung und Konfiguration

Die Bedienung ist definitiv gewöhnungsbedürftig, nicht besonders intuitiv. So kann man z.B. auf die vorhandenen 4 Stationstasten nicht einfach durch langes Drücken der Taste einen Sender speicher, sondern muss das im Menü machen. Die Stationstasten machen auch nichts anderes, als die Tasten 1 bis 4 auf der Fernbedienung, es lassen sich damit die entsprechenden Favoriten aufrufen. Diese können bis zu dreistellig sein. Ich kann über die Tasten am Gerät also auch Favorit 11 oder 23 aufrufen, nicht jedoch Favorit 5 oder 16, da ich ja nur 1, 2, 3 und 4 eingeben kann. Wenn man beim Speichern der Favoriten nun wenigstens die Nummer frei wählen könnte, wäre das sogar gut, denn es würde erlauben, eine ganze Menge Sender über die Stationstasten aufzurufen. Stattdessen werden die Favoriten jedoch der Reihe nach angelegt. Speichert man 5 Sender, erhalten diese immer die Nummern 1 bis 5, ich kann den letzten nicht auf Favoriten-Nummer 11 schieben, um ihn über die Stationstasten erreichen zu können.
Auch sonst ist die Navigation über Drehrad, das sich auch drücken lässt, sowie den zusätzlichen rechts/links-Tasten etwas ungewohnt.

Über die Mediayou-Webseite kann man dann das Radio auch über das Internet vom PC aus verwalten. Wobei das eigentlich übertrieben ist, denn im Gegensatz zu anderen Radios kann ich hier nicht z.B. die Favoritenliste editieren, sondern was ich im Web anlege erscheint im Radio in einem separaten Bereich, nicht unter den Favoriten. Und selbst das alles andere als sofort: Von zwei Sendern, die wir im Web als Lieblingsstation speicherten, erschien im Radio nach Anwahl des entsprechenden Menüpunkts keine! Erst nach Trennen vom Strom wurde eine davon sichtbar, die zweite jedoch nie, obwohl es sich um einen WMA-Stream handelt, den das Radio eigentlich können sollte (MP3 und AAC kann es auch).
Die Mediayou-Seite scheint auch etwas schlecht übersetzt, so heißt das Genre "Education" auf deutsch z.B. "Erziehung". Ein Impressum hat die Seite auch nicht, sodass nicht klar wird, wer dahinter steht. Warum hier nicht auf Dienste wie Reciva, vTuner oder TuneIn gesetzt wurde bleibt unklar. Dies ist übrigens auch ein Unterschied zum DNT IP Diamond Radio, sodass die Geräte zumindest von der Firmware her nicht identisch sind.

Die etwas ungewohnte Bedienung zieht sich auch im UKW-Teil des Radios fort. Zwar ist hier der Empfang gut, jedoch funktioniert z.B. der Suchlauf nicht so, wie man es von fast jedem anderen Radio gewohnt ist.

Auf Windows-Ordner-Freigaben (SMB-Shares) kann das Radio nicht zugreifen. Stattdessen soll es möglich sein, auf per UPNP-Media-Server im lokalen Netz freigegeben Musik zuzugreifen. Dies gelang uns jedoch trotz mehrerer Versuche nicht. Mal wurden die Mediaserver erkannt, aber keine Musik angezeigt, dann plötzlich wurde im Netz gar kein Mediaserver mehr gefunden.

Sound

Hier können wir durchaus positives berichten. Für ein Gerät dieser Größe ist der Klang gut. Natürlich hängt der auch immer von der Quelle ab und mangels Abspielmöglichkeit von MP3s (kein USB, SMB-Zugriff und UPNP funktionierte nicht) waren wir auf Internetquellen angewiesen. Aber bei Sendern guter Qualität war der Klang durchaus ordentlich.
Dazu gibt es einen Equalizer, bei dem man Voreinstellungen wie Rock, Pop, Jazz, Mittig oder "Soundtrack" wählen kann.

Stromverbrauch

Im Standby maßen wir einen Verbrauch zwischen 1,5 und 1,8 Watt, je nachdem, wie stark das Display beleuchtet war. Denn das ist gut gelöst: Man kann einen Dimmer einstellen, also die Displayhelligkeit, auf die gedimmt wird, sobald das Gerät ein paar Sekunden lang nicht bedient wird. Dies geht von grell über minimal beleuchtet bis hin zu aus. Damit lässt sich das Gerät auch im Schlafzimmer betreiben, ohne durch ein zu grelles Display zu stören. Zwei Wecker sind ebenfalls integriert.
WLAN ist im Standby aus, beim Einschalten verbindet sich das Gerät dann mit dem Router. Man kann sogar konfigurieren, wie viele Sekunden im Radiobetrieb zwischengespeichert werden (2, 4 oder 8).
Im Betrieb verbraucht das WLAN-Radio je nach Lautstärke ca. 4 bis 5 Watt. Insgesamt ist der Stromverbrauch in Ordnung, auch wenn uns weniger als 1 Watt im Standby lieber gewesen wäre.

Fazit

Trotz der vielen Ärgernisse und der etwas ungewohnten Bedienung bleibt zu beachten, dass es sich hier preislich um eines der günstigsten Geräte handelt, die Erwartungen sollten also entsprechend niedrig sein. Und angesichts dessen, dass der Sound in Ordnung ist, können wir das Gerät sogar für manche Leute empfehlen: Wer mit dem Radio nur vor hat, ein paar wenige Sender zu hören, kein Abspielen von MP3s braucht, das Radio nah am WLAN-Router aufstellt und bereit ist, bei der Einrichtung etwas mehr Zeit zu investieren, erhält hier durchaus ein für seine Bedürfnisse passendes Gerät.
Wer etwas mehr von seinem Internetradio erwartet, sich bei der Konfigration nicht ärgern will, auf seine eigene Musiksammlung zugreifen möchte oder keine so gute WLAN-Abdeckung hat, dem empfehlen wir, den WLAN-Radio-Berater zu durchlaufen.